RETTET DIE REESE!

JETZT handeln, Online-Petition zeichnen:

RETTET DIE REESE – SAVE REESE!

Jede einzelne Stimme ist wichtig – sagen Sie es Ihrer Familie, Ihren Nachbarn, Freunden, Kollegen und Kolleginnen weiter,
damit ein wichtiger Baustein unserer Stadtgeschichte erhalten bleibt.

#KeinAbReese

Kundgebung vor der Stadtratssitzung am 25. Juni 2020.

EILMELDUNG

Für die anstehende Stadtratssitzung am 25.6.2020 hat Lisa McQueen, Die Partei, einen Dringlichkeitsantrag gestellt. Dieser fordert die transparente Offenlegung der Ergebnisse der Schadstoffuntersuchungen der Reese-Gebäude. In ihrem Antrag drückt sie aus, daß eine vollumfängliche, faktenfundierte und transparente Unterrichtung der Mandatsträger des Augsburger Stadtrates  Grundlage sein müsse für dessen Entscheidungen. Als Voraussetzung für eine angemessene Entscheidung sei es immer unumgänglich, alle hierzu verfügbaren Daten und Informationen zur Kenntnis und Prüfung zu erhalten. Zielführende Unterlagen müssen folglich also unproblematisch zugänglich sein oder zumindest automatisch, möglichst frühzeitig, zu Verfügung stehen.

Sie bezieht sich in ihrem Antrag auf Schadstoffergebnisse der AGS, die die Reese-Gebäude mehrmals, zuletzt 2019, beproben ließen.  Diese Ergebnisse wurden den Stadträten/innen aber niemals zur Kenntnis und Prüfung übermittelt, sondern sie werden „geheimgehalten“. Obwohl die AGS eine hundertprozentige kommunale Tochter ist, die die Reese-Gebäude treuhänderisch verwaltet und hier kein Schutz von privaten Eigentümern vorliegt, dürfen ausschließlich Mandatsträger die Unterlagen – dies nur auf ausdrücklichen Antrag – einsehen und im Anschluß über das Gesehene aber nicht sprechen. Welch intransparenter Umgang mit neutralen Daten, die keinerlei Schutzrechte Dritter Personen verletzen und die eigentlich ohne große Umstände den gewählten Bürgervertretern sowie der Allgemeinheit zugänglich sein sollten!

Da im Vorfeld von Entscheidungen, die den Erhalt oder Abbruch von Gebäuden in den ehemals amerikanischen Kasernen betreffen, die Schadstoffe immer als Hauptargument angeführt wurden, fordert Stadträtin Lisa McQueen diese Begründung transparent zu beweisen und die Ergebnisse deshalb offenzulegen. Damit wären Zweifler zu widerlegen, die eine unsanierbare Verseuchung bestreiten oder andernfalls eben die Abrisse neu zu bewerten.Wie die neue Regierung mit diesem Ansinnen der Stadträtin umgeht, ob sie den Antrag überhaupt zulässt zur Abstimmung und wie dann die Bürgervertreter zu der Thematik Transparenz und Glaubwürdigkeit der Politik entscheiden, darf mit Spannung erwartet werden. Zu befürchten ist, daß der Dringlichkeitsantrag von der Oberbürgermeisterin zur Sitzung diese Woche nicht zugelassen wird oder daß diejenigen Mandatsträger, die sich vor kurzem für die Vollendung der Abrisse und Nicht-Abwarten ergebnisoffener Wettbewerbsentwürfe aussprachen, auch diesen Antrag abschmettern. Dabei hieß es im Wahlkampf von den Parteien immer, man wolle sich für Transparenz einsetzen, für eine bürgernahe Kommunikation und Austausch, sowie die Politikverdrossenheit von Bürgern ernst nehmen und Politik und Politentscheidungen besser vermitteln.

Ankündigung: in Kürze werden wir uns im Detail zu einigen der Begründungen äußern und auseinandersetzen, die die Mehrheit des Stadtrates heranzog für die Zustimmung der Abbrüche in der Reese

 

PRESSEMELDUNG
der Initiative »Augsburgs Erbe bewahren« vom 10. Juni 2020

>> PDF herunterladen

Good Bye Reese –
ist das unwiderruflich das Ende? 

Reaktion auf Abstimmungsergebnis Abbruch oder Erhalt der Reese 

Zum 75. Jahr des Kriegsendes in Augsburg und der Befreiung von der Nazi-Diktatur durch amerikanische Verbände und nach einem halben Jahrhundert gemeinsamer deutsch-ameri­kanischer Stadtgeschichte, werden in der Reese-Kaserne ohne Not und ideenlos ihre Spuren getilgt.

Das Potential des Areals für eine innovative und zukunftsorientierte Entwicklung unter Ein­beziehung der geschichtsreichen architektonischen Bezugspunkte wird verkannt und mit
einer erinnerungsfreien, geschichtslosen Neubaustruktur überzogen.

Dem von der Stadt verbindlich beschlossenen Ideen-und Realisierungswettbewerb wird
die Option genommen, die prägenden Strukturen einer expliziten Epoche Augsburger Zeit­geschichte des 20. Jahrhunderts zu integrieren und aufzuwerten. Stattdessen wird von einer erdrückenden Mehrheit des Stadtrats vorschnell ein Komplettabbruch beschlossen. Leider nicht aufgrund von transparenten und überprüfbaren Fakten und einer ehrlichen und offenen Auseinandersetzung der Verwaltung mit Fachleuten aber auch aktiven Bürgern, sondern mit unhinterfragten Thesen, Unterstellungen, Diskreditierungen und sogar, höflich formuliert,
fake news.

Kann dies eine legitime Grundlage für eine verbindliche demokratische Entscheidung sein?
Sollte man nicht noch einmal überdenken, ob es nicht doch richtiger wäre die Abrisse zu­mindest auszusetzen bis nach dem Planungswettbewerb und seinen Ergebnissen?

Stadträtinnen und Stadträte von Freie Wähler, FDP, Augsburg in Bürgerhand und Die Partei
versuchten, Verstand und Fakten in die Debatte zu bringen. Sie forderten hierfür eine ehrliche, transparente Offenlegung aller Unterlagen und Kostenrechnungen und deren neutrale Überprüfung. Sowie, entsprechend der Forderung der Anträge, die Ergebnisse des Wettbewerbs abzuwarten statt durch aktuelle Abrisse Fakten zu schaffen.

Was in anderen Städten funktioniert, darauf wird in Augsburg vergeblich hingewiesen:

  • Modernisierungen müssen nicht teurer sein als Komplettabriss und Neubau, werden nicht tendenziös hochgerechnet
  • umbenannte und weitergenutzte ehemalige Wehrmachtskasernen werden mit Jahrzehnten alliierter Befreier verbunden und nicht nur als Nazibauten problematisiert
  • Wissenschaftler und Fachleute werden nicht nur wenn es genehm ist oder in Ausnahmefällen gehört, sondern mit ihren historischen, ökologischen u.a. Expertisen und Hinweisen auch im normalen Politikgeschehen eingebunden

Unser langes Bemühen, an die Verantwortung der Stadt zu appellieren, mit ihrer Geschichte, hier in der Reese sowohl negativ als auch positiv konnotiert, und diesem baulichen Erbe
sensibel und angemessen umzugehen, scheiterte an dem geschlossenen Abstimmungsverhalten von CSU, Grünen und der SPD/Linken, unter ihnen so einige, die sich früher für den Erhalt der Bauten oder zumindest für ein Abwarten der Wettbewerbsentwürfe ausgesprochen hatten.

Das Potential des Areals wäre ein Neubauquartier, das durch ortstypische historische Struk­turen aufgewertet, lebendig und einzigartig würde. Dies wird von der Verwaltung und vom Stadtrat verkannt, ja geleugnet. Einer kontextualisierten Erinnerungskultur würde man damit nicht aus dem Weg gehen, sie stünde einer neuen, bedarfsgerechten Nutzung nicht im Wege.

Der Blick in andere Städte würde hierbei lohnen, Neu-Ulm, Mannheim, Stuttgart, Tübingen, sind nur einige der Städte, die zeigen wie wichtig architektonische Identifikationspunkte sind. Die damit verbundene Geschichte wird dort bewusst angenommen und weiterentwickelt. Dies gelingt in diesen Städten durch urbanes Bauen, hohe Durchmischung und Ergänzung der für die Stadtgeschichte als bedeutsam und bewahrenswert erkannten, prägenden Bestandsbauten mit Neubauten. Damit wird ein Mehrwert für die Anwohner sowie die ganze Stadtgesellschaft generiert. In Augsburg dagegen wird ein stupider Verweis und die Reduzierung auf „Nazi“-
Relikte im Stadtrat sogar noch von Applaus begleitet.

In Augsburg werden Historiker, Wissenschaftler, Architekten, Fachleute, Aktivisten diskreditiert, die einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Geschichte fordern. Bundesweit anerkannte Experten gehen davon aus, dass Modernisierung und Weiternutzung von Altbauten meist günstiger, auf jeden aber Fall nachhaltiger und ökologischer sind als Neubauten. In Augsburg wird dies ignoriert. Die Notwendigkeit von Abfallvermeidung und nachhaltigem, schonendem Umgang mit Ressourcen, insbesondere verbauter grauer Energie, wird andernorts von verständigen Stadtpolitikern mitgedacht und berücksichtigt beim Sanieren und Ent­wickeln von Stadtteilen.

In Augsburg hingegen wird all diesen engagierten und anerkannten Leuten Sachverstand und Rationalität abgesprochen, Sachargumente ignoriert und ihnen sogar Forderungen unterstellt, die sie nie erhoben haben. Einem sachlichen Austausch, Gesprächsrunden, Kommunikation wurde beharrlich aus dem Weg gegangen und außer den Antragsparteien mochte sich keine
der Altparteien fundiert damit beschäftigen. Eine neutrale Überprüfung der Aussagen der Verwaltung wurde nicht verlangt.

  • Schadstoffverseuchung, die Abrisse unumgänglich macht – unwahr!
  • „Betonplatte erhalten wollen“ – unwahr
  • behauptete Platzgröße 17.000 qm – unzutreffend – er hat 10.000 qm, der Hauptplatz sogar nur etwa 6.500 qm; zudem, was hat es für eine Bedeutung, wie groß der Platz ist, wenn es doch darum geht, Gebäude nicht abzureißen sondern sinnvoll, z.B. mit günstigen Wohnungen, Stadtteilzentrum, Bürgerhaus uvm., weiterzunutzen?
  • Wohngebiete der Amerikaner seien Teile der alten Kasernenanlagen, Housinganlagen werden als zu Wohnungen umgenutzte Kasernengebäude deklariert – laut Historikern völlig unzu­treffend und unseriös
  • Schadstoffsanierung, Ausbau belasteter Materialien sowie Entkernung für Modernisierungen der Altbauten zu teuer – unzutreffend, wird auch für die Abbrüche gemacht, Gebäude stehen schadstoffbefreit und entkernt da, könnten als Rohbau für Weiternutzung dienen
  • Kostenrechnungen aus eigener Feder – nicht neutral überprüft oder belegt
  • Verzögerung oder Verhinderung von günstigem Wohnraum – nicht belegte Behauptung der Verwaltung, Beweise hierfür gibt es nicht; ebenso wie die Behauptung, die beschlossenen 400 Wohnungen seien nicht zu erreichen wenn der Bestand erhalten würde. Wohnraum kann ergänzend auch im Bestand und nicht nur ausschließlich in Neubauten erstellt werden, zudem könnte genau dies der Planungswettbewerb fundiert aufzeigen, nämlich was und wie möglich ist;

Dies wären nur einige der zu hinterfragenden „Thesen“ der Verwaltung, Beispiele, die der Mehrheit des Stadtrates als Begründung  genügten, dem Abriss zuzustimmen.

Danke für diese Leistung an die Bürgervertreter,

v.i.S.d.R.
A. Blümel
Initiative „Augsburgs Erbe bewahren“

 

 

Das Forum Augsburg berichtet:

Die Stadtratssitzung am 28. Mai hatte es in sich, Teil 1

Abriss der Reese-Kasernengebäude soll weitergehen

Grüne, SPD, Linke und ÖDP folgen dem Kommando des Baureferenten (CSU) mit obszöner Bereitwilligkeit

– Die Stadtverwaltung sucht die Entscheidung mit eiserner Energie

– Die Taktik des Baureferats: ja nichts Schriftliches!

– Die Argumente dümmlich bis unwahr

– Die Linke kippt schon auf der zweiten Stadtratssitzung um und positioniert sich rechts von der Bürgerlichen Mitte

– Die Argumentation der Stadträtin der Linken, Christine Wilholm, ist allzu dürftig

– Was die Erfahrung mit der Baupolitik der Stadt lehrt und wie wichtig die Authentizität von Stadtvierteln ist

Weiterlesen bei Forum Augsburg

Foto © Initiative Augsburgs Erbe Bewahren

 

Bericht Augsburger Allgemeine, 3. Juni 2020

Trotz laufendem Abriss: Die Reese-Retter geben das Areal noch nicht auf

Die Zeit läuft der Bürgerinitiative zum Erhalt von Kantine & Co. davon. Die Aktiven wollen erneut auf die Stadträte zugehen. Vom Baureferenten fühlen sie sich abgekanzelt.

Von Jörg Henzle

Obwohl der Abriss der historischen Kasernengebäude auf dem Reese-Areal in Kriegshaber bereits läuft, hofft die Bürgerinitiative zum Erhalt der Gebäude doch noch auf einen Stopp der Arbeiten. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass mehrere Gebäude erhalten bleiben – etwa die ehemalige „Kantine“, die Krad- Halle und mehrere frühere Mannschaftsgebäude, die aktuell teils noch von Künstlern des Kulturparks West genutzt werden. Die Chancen für einen Erhalt des historischen Areals schwinden jedoch. In der vorigen Woche bekräftigte der Stadtrat noch einmal mehrheitlich, dass die einstigen Kasernengebäude verschwinden und Platz machen sollen für neue Wohngebäude. Alex Blümel, Sprecherin der Initiative „Augsburgs Erbe erhalten“, sagt: „Wir bedauern es, dass man unsere Argumente und die Expertisen von Fachleuten, die wir vorgetragen haben, offensichtlich nicht ernst nimmt.“ Die Bürgerinitiative fühle sich abgekanzelt von Baureferent Gerd Merkle (CSU). Merkle hatte im Stadtrat ausführlich begründet, weshalb die Stadtverwaltung einen Abriss befürwortet. Er nannte dafür unter anderem die Kosten für die Beseitigung von Altlasten und den erforderlichen Platz für neuen Wohnraum. Außerdem, so argumentierte er, seien weder die aus der Wehrmachtszeit stammenden Bauten noch der große, versiegelte Exerzierplatz erhaltenswert. Die Bürgerinitiative bedaure es, dass Merkle nicht bereit dazu sei, auf die Argumente einzugehen, sagt Blümel. Die Initiative hatte unter anderem eine Einschätzung von Stefan Lindl vom Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte der Uni Augsburg vorgelegt. Er stellt fest, dass der Erhalt der Bestandsgebäude dem Viertel eine historische Komponente geben könne, die für dessen Identitätsbildung wichtig sei. In seinem Kurzgutachten heißt es: „Die baulichen Bestandsreste des Reese-Kasernen-Areals ließen sich im Sinne einer Kultur der Nachhaltigkeit nutzen, um ein authentisches Stadtviertel zu schaffen, das völlig einzigartige Züge trägt.“

Gesamter Artikel bei der Augsburger Allgemeinen

 

Bericht Stadtzeitung Augsburg, 01. Juni 2020

Entscheidung im Augsburger Stadtrat: Abriss der Reese-Kaserne wird nicht gestoppt

Ehemalige Kasernengebäude waren erneut Thema im Stadtrat – Bürgerinitiative enttäuscht

Lange hat die Initiative „Augsburgs Erbe bewahren“ darum gekämpft, dass der Augsburger Stadtrat sich erneut mit dem Abriss der ehemaligen Reese-Kasernengebäude befasst. Dazu kam es schließlich in der vergangenen Woche. Auf drei Anträge der Fraktion „Bürgerliche Mitte“ und der Stadträte Bruno Marcon (Augsburg in Bürgerhand) und Lisa McQueen (Die Partei) reagierte Baureferent Gerd Merkle (CSU) mit einem umfassenden Bericht vor seinen Stadtratskollegen. Nach der anschließenden Abstimmung steht nun fest: Auch der neue Stadtrat wird sich nicht für einen Abriss-Stopp aussprechen.

Nach monatelanger Kritik an seinem Vorgehen von Seiten der Bürgerinitiative, ging der Baureferent mit seinen Gegenspielern in der Stadtratssitzung am Donnerstag wiederum nicht zimperlich um. Geradezu kurios sei deren Forderung, die historischen Gebäude in dem geplanten Neubau-Wohngebiet in den Architektenwettbewerb mit einzubeziehen. Die Vorwürfe der Initiative, dass die letzten Zeugnisse der Kasernennutzung durch die Amerikaner durch den Abriss zerstört würden, seien „schlichtweg falsch“, sagte Merkle im Vorfeld an die Stadtratssitzung. Es gebe zahlreiche Gebäude, die von den Amerikanern genutzt worden und bereits zu Wohnhäusern umgebaut worden seien.

Gerd Merkle: Gebäude nicht erhaltenswert

Außerdem habe sich das Landesamt für Denkmalpflege wiederholt mit den Gebäuden befasst, und nur das heutige Abraxas-Theater, das frühere Offizierskasino, als schützenswert angesehen. Bei allen Gebäuden handle es sich um Bauwerke der Nationalsozialisten, beim Exerzierplatz um eine riesige versiegelte Betonplatte inmitten des Stadtteils. Das gesamte Ensemble sei nicht erhaltenswert.

Auch den Vorschlag, auf Grundlage der historischen Gebäude und des ehemaligen Exerzierplatzes ein neues Stadtteilzentrum zu entwickeln, unterstützte der Baureferent nicht, brüskierte sich über eine Computergrafik der Initiative, die eine mögliche Nutzung des Platzes durch einen großen Brunnen zeigte. All dies widerspreche den Planungen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) für Kriegshaber. Laut einer Bürgerbeteiligung zur Stadtteilsentwicklung hätten sich die Bewohner von Kriegshaber über die „Zerteilung“ des Stadtteils durch das Kasernengelände beschwert. Im Entwicklungskonzept aus dem Jahr 2014 wird allerdings auch wiederholt die Wichtigkeit der Stadtteilgeschichte für dessen Identität erwähnt.

Auf dem ehemaligen Militärgelände, das von den Nationalsozialisten gebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg noch bis 1998 von den Amerikanern genutzt wurde, sollen nach dem Abriss rund 400 bis 450 Wohneinheiten entstehen. Bei der Hälfte soll es sich um geförderte Wohnungen handeln, die andere Hälfte ist für Menschen in besonderen Lebenslagen vorgesehen. Für das neue Wohnviertel soll noch vor der Sommerpause des Stadtrats ein Ideenwettbewerb angestoßen werden.

Bürgerinitiative: Falsche Unterstellungen des Baureferenten

Die Initiative und die Anträge von Bürgerlicher Mitte, Augsburg in Bürgerhand und Die Partei, über die der Stadtrat am Donnerstag gesammelt abstimmte, forderten, den Abriss der Gebäude bis zum Abschluss des Ideenwettbewerbs zu stoppen. Da diese nicht denkmalgeschützt seien, könne man sie auf verschiedene Weise umbauen und weiternutzen. Allerdings sprach sich der Rest des Stadtrates schließlich dafür aus, mit dem Abriss, der in den vergangenen Monaten bereits begonnen hat, fortzufahren.

Ein Grund dafür ist wohl auch das Geld. Von Beginn an war die starke Schadstoffbelastung der Gebäude einer der Hauptgründe Merkles für den Abriss. Aufgrund der Schadstoffe würde eine Sanierung der Gebäude laut Merkle mit zwölf Millionen Euro rund drei Millionen Euro teurer werden als ein entsprechender Neubau. Dazu kommt, dass die Abrissarbeiten inzwischen bereits begonnen haben. Bei einem Abbruch der Arbeiten müssten die beauftragte Firma finanziell entschädigt werden.

Die Antragssteller hoben wiederum den ortsprägenden Charakter der Gebäude hervor. Lars Vollmar (FDP) ging auf den Vorwurf Merkles ein, man wolle mit dem Exerzierplatz eine Betonwüste erhalten. Das sei nicht der Fall. Schließlich habe man eine solche schon am zentralen Königsplatz. „Da ist sie scheinbar schön, woanders nicht“, stichelte Vollmar. Ein Ideenwettbewerb mache allerdings keinen Sinn, wenn man eine mögliche Option von Anfang an aus dem Spiel nehme. Auch die Bürgerinitiative betonte nach der Entscheidung: Es sei nie eine ihrer Forderungen gewesen, den Appellplatz komplett versiegelt zu lassen. Es handle sich dabei um eine Unterstellung des Baureferenten, wohl mit dem Ziel, die Forderungen der Initiative vor dem Stadtrat tendenziös falsch darzustellen.

Stadtrat lehnt Anträge ab

Lisa McQueen (Die Partei) betonte, dass Neubaugebiete, die alte Gebäude weiter nutzten, „einen ganz bestimmten Charm“ hätten. Im Gegensatz dazu fände sie das bereits fertiggestelltes Neubaugebiet in Kriegshaber „einfach grauenvoll“. Auch Regina Stuber-Schneider (Freie Wähler) warnte davor, „dass wir wieder eine gesichtslose Massensiedlung bekommen“.

Besonders enttäuscht zeigte sich die Bürgerinitiative schließlich davon, dass sowohl Grüne als auch SPD gegen den Abriss-Stopp stimmten. Der Baureferent habe die Historiker, Wissenschaftler, Fachleute, und Aktivisten der Initiative offen diskreditiert und ihnen fehlendes Fachwissen unterstellt. „Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung von der Nazi-Diktatur durch amerikanische Verbände und nach einem halben Jahrhundert gemeinsamer deutsch-amerikanischer Stadtgeschichte werden ohne Not und ideenlos ihre Spuren getilgt“, kritisierte Alex Blümel von der Initiative „Augsburgs Erbe bewahren“. Der Augsburger Stadtrat habe das Potential für eine „innovative und zukunftsorientierte Entwicklung“ des Areals komplett verkannt.

Zum Artikel bei der Stadzeitung

(foto mv)

Nach vorne blicken, auch wenn 85 Jahre Zeitgeschichte die Augsburg prägten, sinnlos und entgegen zahlloser Fachmeinungen ausgelöscht werden. Folgender Beitrag fordert uns auf, diese positive Richtung einzuschlagen:

Die Reese ist tot, es lebe die Reese!

Materie und soziale Konstruktion

In einer Stadtratssitzung am Donnerstag, den 28. Mai 2020, wurde die Reese-Kaserne endgültig dem Abriss preigegeben. Eine Mehrheit fand sich, die dem Argumentationskonzept des Baureferenten der Stadt Augsburg folgte. Es hätte unter Nachhaltigkeitsaspekten der Energiebilanz und der Geschichtskultur sowie aus ästhetischen Resilienzaspekten etwas Wegweisendes entstehen können, das den Bestand würdigt.
Verlust der Materie bedeutet jedoch noch nicht, dass der Verlust sozialer Konstruktion, historisch gewachsener Strukturen und Authentizität des Ortes ebenso besiegelt ist. Es gibt viele Arten historischer Wertschöpfung in der Entwurfsplanung von Neubauprojekten, die Authentizität eines Ortes erzeugt und würdigt. – So könnten doch noch alle Positionen berücksichtigt werden.

Ein Vorschlag, der das Leitbild der authentischen Stadt berücksichtigt, folgt in Kürze.

Quelle: Dr. Stefan Lindl, 30. Mai 202

 

ANMERKUNG:
Gebäude zu erhalten, die dem Stadtquartier Geschichte und Geschichten geben, ein Gesicht, zur Besonderheit und Einzigartigkeit im Stadtbild beitragen, Erinnerungen möglich und ablesbar machen – es aber zugleich zu „zivilisieren“, umzuwandeln, wäre Aufgabe und Verantwortung einer Stadt. Geschichte ist nicht immer positiv oder bequem, man darf nichts ausklammern oder leugnen, muss es in Kontexte bringen und erklären, wo nötig.
Wie eine solche Transformation funktioniert, zum Mehrwert und Bereicherung der ganzen Stadt und darüber hinaus, zeigte bereits der Kulturpark West – ein jahrzehntelang militärisch genutzten Areal wurde umgenutzt und entwickelte sich zu einem multikulturellen, weltoffenen, toleranten Kulturquartier.
Nach unfreiwilligem Auszug der Kulturschaffenden hätten die Bestandsgebäude Grundlage bzw. Teil eines urbanen durchmischten Viertels werden können. Für diesen Weg entschied sich das grün regierte Tübingen schon vor Jahren bewusst und gilt damit, mehrfach preisgekrönt, als Paradebeispiel für die sinnvolle, nachhaltige Konversion von Militärflächen, auch hier Nazikasernen, hin zu einem Mehrwert und Nutzen für die ganze Stadt und ihren Bürgern. Man kann und muss seine Geschichte annehmen, kann diese aber in die Zukunft führen, mit innovativen Konzepten und einer zivilgesellschaftlichen, offenen, bunten, toleranten,integrativen und inklusiven Nutzung. In Tübingen, aber auch anderen Städten wie u.a. Mannheim wird Wert darauf gelegt, die Geschichte nicht unter den Teppich zu kehren, mit den Militärgebäuden aber so umzugehen, daß man neue, lebendige Stadtquartiere schafft, auf die die Städte zurecht stolz sind und die begeistert von den Bürgern als Wohnquartier angenommen werden. (alex / foto mv)

So geht Protest auch in Coronazeiten!

Macht mit bei der virtuellen Kundgebung
RETTET DIE REESE – wann Ihr wollt, wo Ihr wollt!
Einfach hier unsere
PLAKATMOTIVE HERUNTERLADEN, eins oder alle ausdrucken, Protestfoto schießen und uns per per PN auf Facebook
oder per Mail an  hallo@gaertnerhaus-im-park.de
schicken. Gerne könnt Ihr Euch vermummen, solange wir Maskenpflicht haben.
Viel Spaß und Danke an alle, die mitmachen!

 

Für den Erhalt des verbleibenden Reese-Areals!

Die Stadtregierung muss JETZT eingreifen,
um Augsburgs letztes Militärensemble
aus dem 20. Jahrhundert zu retten!
DOWNLOAD OFFENER BRIEF

Wir suchen engagierte Mitstreiter*innen,
um wertvolle Stadtgeschichte zu erhalten.
Kontakt: hallo@gaertnerhaus-im-park.de

DOWNLOAD INFOBLATT

#erhaltenswert

Denkbares Konzept für Sanierung von Bestand und Aufwertung des Quartiersplatzes:  unabhängig von einer hoffentlich möglichen künftigen Nutzung der ehemaligen Kantine wird hier deutlich, wie man ortsprägenden historischen Bestand qualitativ und identitätsstiftend in ein modernes Neubauquartier integrieren könnte und sollte. Der zu entsiegelnde Appellplatz mit seinen prächtigen Kastanienbaumreihen auf drei Seiten kann zum Herz des neuen Quartiers werden. Zusammen mit dem noch erhaltenen Gebäudeensemble der ehemaligen Reese-Kaserne, die nicht nur jahrzehntelang amerikanischer Militär-und Verwaltungsstandort war sondern auch Heimat der University of Maryland könnte hier auf kleinem Areal Geschichte mit Zukunft, Altes mit Modernem verschmelzen. Die historischen Gebäude geben dem Areal eine »Lesbarkeit der Vergangenheit«, erinnern an ein bedeutsames Stück Augsburger Stadtgeschichte und ermöglichen eine unverwechselbare lokale Besonderheit sowie städtebauliche Qualität. (Idee: Blümel, Foto/Montage: Vodermayer).

Stefanie Zach
Studiengang: Energieeffizientes Design
Bachelorabgabe 2020 Thema:
Climastadt – Entwurf der Bahnhofstrasse Augsburg

So könnte es auch aussehen…

Statt vieler niedriggeschossiger Quader könnte sich hier ansprechender Geschoßwohnungsbau harmonisch neben dem Park anfügen. Effizient, flächensparend, durchmischt und, wie im Beispiel, auch begrünt. Dieser Entwurf wurde nicht für das Reeseareal erstellt, daher auch die im EG geplanten Geschäfte, fiel uns aber bei einer Ausstellung ins Auge und die Urheberin erlaubte uns freundlicherweise, den Entwurf einzustellen. Es soll nur ein Beispiel sein, dutzende andere wären vorstellbar, u.a. auch hochgeschossiger Holzbau wie europaweit immer öfter von Spitzenarchitekten umgesetzt, um zu zeigen, wie man kompakt, aber auch anspruchsvoll, zeitgemäß und zukunftsorientiert, höhergeschossig bauen könnte. Dadurch mittels Flächeneinsparungen den Bestand schonen kann, aber auch zeitgemäße Erfordernisse berücksichtigt.
#Ressourcenschonen #verbauteGraueEnergie #urbanesBauen #Innovationen #endlicherFaktorBoden #zeitgemäßbauen #Durchmischung #Aufwertung #Wohnqualität #Lebensqualität #nachhaltigerUmgang #Bestandsschutz

Kommt Euch das bekannt vor?

So kann es aussehen, wenn nicht alles abgerissen wird.
Die Kasernengebäude auf den Bildern stehen leider in Neu-Ulm und nicht in Augsburg.
#wileybarracks #nelsonbarracks #erhaltstattabriss #neunutzung

! ! ! VERSCHOBEN ! ! !
GRÜN KAPUTT –
Fotowettbewerb + Ausstellung

Wie steht’s um die Landschaft und Gärten der Deutschen?
Die Baum-Allianz Augsburg e.V. und die Werkstattgalerie Krüggling
laden herzlich ein zum Fotowettbewerb
und zur Ausstellung

 ! ! ! verschoben wegen Katastrophenfall in Bayern ! ! !

 

So können Sie uns unterstützen:

• Besuchen Sie unsere Infoveranstaltungen,

• informieren Sie Freunde und Bekannte,

• kontaktieren Sie Ihren Stadtrat, den OB und uns.

Ihr persönlicher Einsatz trägt zu einem schönen, für uns alle lebenswerten Augsburg bei.

Freundeskreis Gärtnerhaus im Park

vertr. d. Irene Kuhn
hallo@gaertnerhaus-im-park.de

Mehr Info bei unseren Partnern

BUND Naturschutz
in Bayern e.V.

Ortsgruppe Augsburg
Tel. 0821 / 3 76 95
bn-augsburg.de

Fachforum Nachhaltige
Stadtentwicklung

nachhaltigkeit.augsburg.de

Bürgeraktion Pfersee
pfersee.de